Raven's Peak

Erkenntnisse eines Apostaten - 4. Buch, Kap. II

Wir stiegen also in die Tiefen des Thaigs hinunter, Ebene um Ebene, vorbei an untoten Zwergen und verfallenen Ruinen. Schließlich erreichten wir die vorerst letzte Ebene, und fanden uns am Ufer eines Flusses aus geschmolzenen Stein wieder. In der Felsenwand fanden wir den Eingang zu den Lyriumminen, und direkt hinter dem Eingang die zerfetzten Leichen der Wächter. Sie wurden von einigen der Skelette niedergemacht. Die Mine war, zum Glück, durch ein festes Gitter versperrt. So waren die gefangenen Kinder sicher vor den skelettierten Klauen der Untoten.

Wir entledigten uns der Zwerge, verarzteten kurz die Kinder, und schlossen sie dann wieder zu ihrem Schutz ein. Bevor wir sie an die Oberfläche bringen konnten, mussten wir zunächst noch die ganze Geschichte mit dem Osric, dem untoten Zwergenkönig, beenden.

Im Herzen des Berges würden wir ihn finden, also den Lavafluss stromaufwärts, wie uns Gorim mitteilte. Aber wie konnten wir den Zwerg besiegen? Er war an den Amboss gefesselt, und jene die diesen erschaffen hatten sagten uns, nur die Waffen die auf dem Amboss gefertigt wurden konnten ihn zerstören. Also hofften wir dass dort solche Waffen liegen würden.

Wir folgten dem Lavafluss, und standen schließlich vor einem riesigen steinernen Tor, welches leicht wie eine Feder aufschwang. Dahinter fanden wir eine alte Krypta mit leeren Särgen. Drei Gänge gingen von der Krypta ab. Aus dem einen ertönten die Schläge eines Hammers auf einem Amboss. Unser Ziel! Osrics Schmiede. Aus einem weiteren Gang hörten wir jedoch das rasseln von Ketten. Was auch immer dieses Geräusch erzeugte, wir konnten es nicht in unserem Rücken lassen. Wir schlichen den Gang hinunter, und standen schließlich vor einem weiteren Tor. Reich verziert und mit Runen übersät. Gorim machte sich auf das Tor zu öffnen, berührte es, und erstarrte!

Der Zwerg stand vor dem Tor, eine Hand auf einer Rune, und zitterte und zuckte leicht. Seine Augen waren offen, schienen aber nichts auf dieser Welt zu sehen. Oder nichts auf dieser Seite des Schleiers. Ein Dämon! Wer auch immer dieses Tor geschlossen hatte, er hatte einen Dämon darin gebunden und es in Falle verwandelt. Und Gorim war hineingelaufen. Was eigentlich kein Wunder ist, da wir noch keiner Falle begegnet sind die Gorim in Ruhe gelassen hätte.

Mir gingen schnell die Lehren aus “Verteidigung gegen die dunklen Künste und Dämonen” durch den Kopf. Der Dämon hatte Gorim in seiner Hand und würde ihm eine Traumwelt vorspielen. Und sobald Gorim dies als Wahrheit akzeptierte, wäre seine Seele verloren. Mir blieb keine Zeit um in Ruhe und kontrolliert den Schleier zu durchdringen und das Fade zu betreten, denn die Zeit verging dort anders, und jeder Augenblick zählte.

Ich berührte die Tür…

… und erwachte aus diesem seltsamen Traum. Tagtraum eher. Ich schüttelte den Kopf. Abenteuer mit Zwergen und Templerln. In letzter Zeit träumte ich öfters so etwas. Vielleicht sollte ich bald den ersten Verzauberer Irving nach einem Auftrag außerhalb des Zirkels fragen, um etwas von der Welt zu sehen. Aber das hat Zeit. Heute Nachmittag steht wieder eine Debattierrunde mit den Loyalisten an, ich muss langsam anfangen mir eine Strategie zu überlegen. Aber zunächst wartete ich noch auf Arlette. Auch wenn es nur Jene erfahren sollten die daran teilhatten, war mir zu Ohren gekommen dass sie heute durch das Harrowing gehen musste. Naja, eine reine Formalität bei einem Magier mit ihren Fähigkeiten. Ich stand also vor dem Tor zum Ritualsaal und wartete. Das Tor öffnete sich, und Arlette trat hinaus. Etwas erschöpft, aber grinsend…

… aber das Grinsen war doch spöttisch… und stand nicht ein Templer im Tor… “Geschafft, Maynard,” sagte sie, und riss mich aus meinem Grübeln. “Jetzt steht uns die ganze Welt offen. Und du kannst haben was immer du möchtest!” Ihr Tonfall hatte sich verändert. Nein, nicht nur ihre Tonfall. Ihre Stimme. Sie war etwas tiefer, rauchiger. Das war überhaupt nicht das Harrowing von Arlette, es war Aislinn… oder nicht? Verwirrt starrte ich auf die Gestalt vor mir. Ich fühlte ein leichtes pochen im Hinterkopf. Ein Ziehen. Als würde ein vergrabener Teil meines Bewusstseins um Aufmerksamkeit rufen. Arlette/Aislinn redete weiter, versprach mir Macht, Freiheit und Reichtum. Ich hörte kaum zu, ich sah, wie einen Geist, Templer Malet vor mir stehen, höhnisch grinsend, ein blutiges Schwert in der Hand… Malet! Meine Hände ballten sich zu Fäusten, und ich fühlte Wut und Zorn wie eine Flut in mir aufsteigen. Malet. Er war aus dem Ritualraum gekommen, nicht Arlette.

Arlette hatte den Ritualraum nie wieder verlassen.

Und ich war auch nicht im Circle Tower! Gorim… Der Thaig… Das Tor! Wer auch immer vor mir stand, es war nicht Arlette. Und er würde leiden! Flammen und Magie barsten aus meinen Händen und ergossen sich über die schemenhafte Gestalt. Die Wände des Turmes barsten und fielen in eine bodenlose Tiefe. Um mich herum sah ich die milchige Weite des NIchts, und am Horizont… die schwarze Stadt. Die Gestalt vor mir wand sich in Schmerzen, wuchs, hatte plötzlich ledrige Fledermausflügel. Ein Lustdämon! Diese Kreatur hatte Gorim in ihrer Gewalt. Ich beschwor mehr Magie, schleuderte einen Zauber nach dem anderen auf den Dämon. Dieser tat es mir gleich, ud um uns herum knisterte das Nichts vor magischer Energie. Gorim erschien kurz, wie ein Flackern, schlug auf den Dämon ein und verschwand wieder! Ich spürte die Schmerzen des Dämons, seine Wut darüber, dass ein Mensch ihm Widerstand leisten konnte! Ich spürte wie wir beide kurz vor dem Ende unserer Kräfte waren, aber ich lachte grimmig. Der Dämon würde das nicht überleben! Plötzlich spürte ich neben mir eine bekannte Gestalt, Meister Aidan, und sah wie eine Welle magischer Energie den Dämon zu Boden riss. Es verletzte den Dämon nicht, aber es war die letzte Ablenkung die ich bracuhte! Ich zog noch mehr Magie aus dem nichts, wob eine Verbindung zu dem Dämon, und spürte wie ihr letzter Lebensfunke in meine Hände gerissen wurde…

Und plötzlich standen wir wieder vor dem Tor, dass sich langsam öffnete. In dem Raum waren zwei Zwergenstatuen – und zwei Geister. Sie erzählten etwas über Osric’s Amboss, und wie er zerstört werden konnte, aber ich hörte nicht zu. Ich war noch zu erschöpft von meinem Kampf mit dem Dämon.

AN die restlichen Geschehnisse kann ich mich nur noch wie an einen Traum erinnern. Wir gingen durch den anderen Gang, überquerten eine Brücke über einen See voll geschmolzenem Stein, und standen schließlich in einer kreisrunden Kammer. In der Mitte befand sich ein weiterer Lavasee, und darin eine kleine Insel mit dem Amboss. Osric stand dort, geisterhaft, immer schmiedend. Die Wände der Kammer waren überfrachtet mit grünlich schimmernden Waffen, und mehrere Zwergenskelette bewegten sich zielstrebig auf die Waffen zu. Vor uns stand eines davon, eine schimmernde Axt in der Hand, und wir sahen wie langsam frisches Fleisch und Blut auf den Überresten des Toten wuchs.

Aber das war nebensächlich! Gorim verpasste dem Toten eine Axthieb, ich schleuderte ihn mit einer magischen Lanze aus dem Weg, und Andrastian hielt ihn mit seinem Schild zurück. Wir rannten über eine schmale Brücke auf die kleine Insel. Ulla lenkte Osric ab, während Gorim die kleine Zwergenstatue auf den Amboß stellte und mit einem mächtigen Hieb zerstörte. Osric’s Fesseln waren gesprengt, aber der Amboß stand noch. Andrastian hielt die Brücke gegen die anstürmenden Zwergenleichen, während ich sie mit magischen Lanzen in die Lava schleuderte!

Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie Meister AIden ein halbgeschmiedetes Schwert aufnahm, und es mit all seinem Zorn in den Amboss trieb! Das Zwergenskelett vor Andrastian erstarrte kurz, schien den Kopf schief zu legen, und fiel in sich zusammen. Hinter mir zerbrach der Amboss, und kippte von seinem Podest. Eine Sekunde lang atmeten wir erleichtert auf, bis wir ein Zittern unter unseren Füßen spürten. Etwas Staub rieselte auf meine Schulter. Ich hob den Blick, und sah das in der Decke Risse entstanden. Die Kammer, nein, der ganze Thaig, war am zusammenbrechen!

Wir liefen aus der Schmiede, packten die Kinder aus der Mine, und rannten als wären Dämonenhorden hinter uns her aus dem Thaig… der hinter uns in den Tiefen der Erde versank.

Und mit ihm die letzten jener Räuber, welche die Kinder entführt hatten.

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whisperinc

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