Raven's Peak

Der Fluch von Woldeshain

Mein Atem ging schwer und ich spürte noch die Furcht in jeder Faser meines Körpers. Wir hatten überlebt und mir wurde klar, dass es die Antwort auf all unsere Fragen nur im Beschwörungsraum geben konnte.
Gorim versiegelte auf meinen Wunsch hin den Zugang zu den Tiefen Wegen und brachte die Höhlen zum Einsturz. Es ist wirklich erstaunlich, wozu dieser Zwerg in der Lage ist, wenn er es schafft, nüchtern zu sein. Nun konnten wir zurückgehen und uns alles genauer anschauen, irgendetwas mussten wir in der Eile übersehen haben. Ich fand in den alten Schriften aus Tevinter Hinweise darauf, dass hier üble Blutmagie genutzt wurde, um Angriffe aus Ferelden zurückzuschlagen und dabei mächtige Dämonen beschworen wurden. Ich vermutete, dass einer dieser beschworenen Dämonen sich als zu mächtig erwiesen hatte und seitdem hier wandelte, wartend auf die Möglichkeit, einen Wirt zu finden und so in die Welt zu gelangen.
Lucar hatte also Recht gehabt: sie hatten das Unheil selbst über Woldeshain gebracht und meine Aufgabe war es nun, herauszufinden, welcher der Überlebenden es sein konnte. Wenn ein Dämon mächtig genug ist, so kann er sich vollständig als Mensch tarnen und die Hülle seines Wirtes nicht deformieren. Dies schränkte die Möglichkeiten ein, wahrscheinlich suchten wir nach einem der mächtigen “Hunger Demons”, dies würde auch die Morde und verschwundenen Leichen erklären, verschlangen diese Monstren doch ihre Opfer vollständig.
Ser Baldor schloß ich als Wirt aus, er hätte uns in den Höhlen verraten, wenn er der Schuldige wäre; sein alter Freund Lucar hatte sich nach dem Vorfall verändert und war unter der auf ihm lastenden Schuld zu einem gebrochenen Mann geworden. Hier bestand die Möglichkeit, dass ein Dämon diese Schwäche genutzt hatte. Hinzu kam der letzte Überlebende der Gruppe, der es nach Woldeshain zurückgeschafft hatte, Gane und dessen Schwester Mairin, die an seinem Grab getrauert hatte. Sie waren die wahrscheinlichsten Ziele eines hungrigen Dämons und wir mussten schnellstmöglich nach Woldeshain zurück, um den Übeltäter zu enttarnen. Als letzter Besessener kam Cuthbert in Frage, hatte er sich doch ebenfalls verändert, obwohl ich bei ihm den schlichten normalen Wahnsinn ebenfalls nicht ausschließen würde, der oft mit religiösem Fanatismus einhergeht.
Wir eilten also nach Woldeshain zurück und versammelten alle in der Amtstube von Lucar. Mairin arbeitet bei ihm als Haushälterin und so mussten wir nur Cuthbert von der Kapelle holen, der sich ohne Probleme fügte und seine Bereitschaft zeigte, sich für das Wohl seiner Gemeinde zu opfern, er schied also ebenfalls aus dem Kreis der Verdächtigen aus.
Nachdem wir alle versammelt hatten, lag es in meiner Verantwortung, den Dämon aus seiner Verkleidung zu locken und so entschied ich mich für einen sehr radikalen Weg: ich wies Gorim an, Lucar zu töten und beobachtete die Reaktionen. Er verhielt sich schuldbewusst, wirkte aber nach wie vor, wie der gebrochene Mann, der er war.
Cuthbert und Baldor zeigten deutlich, wie sehr es ihnen zu schaffen machte, nur Mairin schien unbeteiligt. Ich änderte also meinen Plan und forderte Baldor selbst auf, Mairin zu richten, um den Fluch von Woldeshain zu nehmen.
Er war ein aufrechter Mann und hatte uns bereits bewiesen, dass er bereit war, Opfer zu bringen, um seine Leute zu schützen und so schritt er zu Mairin hinüber, das Urteil zu vollstrecken. Ich wusste, dass der Dämon sich zeigen würde, bevor er sich wehrlos richten ließe und Andrastian gab mir durch ein Nicken zu verstehen, dass er bereit war, einzuschreiten.
Als Ser Baldor sein schweres Schwert hob, um die Frau, die ihm versprochen worden war, zum Wohle Woldeshains zu richten, zeigte sich der Dämon und der Körper der jungen Frau zerbarst, als diese Monstrosität seine fleischliche Maske ablegte.
Es folgte ein kurzer und heftiger Kampf, der Dank Andrastian und Gorim schnell zu unseren Gunsten entschieden war. Der Dämon war mächtig und schaffte es, meinen Gefährten schwere Wunden zuzufügen, bevor er vernichtet war – keine dieser Wunden war jedoch so tief und lebensbedrohlich, wie der Schmerz auf Baldors Gesicht, den selbst meine Magie nicht würde heilen können.
Wir hatten den Fluch von diesem Ort genommen, den Schmerz über all die Verluste konnte jedoch nur die Zeit mildern.

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Wie man einen Oger schubst!

Nachdem ich mir das Tagebuch der Priesterin Kelsie genauer angesehen hatte, war klar, dass es ein alter Turm der Magister aus Tevinter war, die damals die Grenze zu Ferelden sichern sollten. Was allerdings dort im Verborgenen lauerte und den Terror in Woldeshain begründete, konnte ich weiterhin nur vermuten. Wir bereiteten uns also vor und machten uns mit Ser Baldor als Führer auf den Weg zu der Ruine im Wald.
Direkt bei unserer Ankunft war klar, dass etwas nicht stimmte. Es gab direkt am Eingang eine Falle, die beim letzten Besuch der Männer aus Woldeshain noch nicht dort gewesen war. Es war also äußerste Vorsicht geboten, wir waren sicher nicht alleine.
Wir gelangten über eine Wendeltreppe in die Gewölbe unter dem Turm. Vom Turm selbst war nur noch die äußere Mauer des Erdgeschosses übrig, der Rest war dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Im Keller gab es ebenfalls deutliche Spuren des Verfalls und die meisten Gänge endeten in leerstehenden Räumen, deren ursprüngliche Funktion nur noch zu erahnen war. Bemerkenswert war lediglich eine Loch im Boden eines dieser Räume, an dessen Boden ein goldenes Leuchten meine Neugierde erregte. Ich ließ mich von Gorim mit einem Seil sichern und stieg behende hinab. Das goldene Leuchten stellte sich als prächtiges Schwert heraus, mit goldenen Einlegearbeiten, Rubinen und, dem wohl Bemerkenswertesten: Symbolen und Schriftzeichen aus Lyrium. Zeichen der Macht, mit denen Zauber in diese Waffe gewoben worden waren. Ich nahm das Schwert an mich und rief meine Gefährten zu mir, um es Gorim zu übergeben – wer weiß, wofür es gut sein würde.

Es gab noch einen weiteren Raum hier unten, der sehr bemerkenswert war: einen Beschwörungsraum, mit so einer Ansammlung an Lyrium, dass ich nahezu geblendet war von seinem unwirklichen Leuchten. Ein Ort der Macht, an dem es ohne weitere Hilfsmittel möglich sein würde, die Grenze ins Fate zu überschreiten. Faszinierend und furchterregend zugleich. Ich war kurz versucht, einen Blick zu wagen. Meine Erinnerungen an mein Harrowing ließen mich jedoch schaudern, auch nach all den Jahren war die Furcht noch fast körperlich spürbar und das tote Gesicht meiner letzten Schülerin, das Gesicht von Maynards Schwester, brachte mich zur Besinnung. Selbst Gorim war still an diesem Ort, er bemerkte lediglich, dass dies die Arbeit seines Volkes sein müsste, da niemand sonst in der Lage wäre, Lyrium so zu verarbeiten.

Wir fanden einen Gang, der aus dieser augenscheinlichen Sackgasse herausführte und an einer Spalte endete, die durch Erosion und das Wasser eines unterirdischen Flußlaufes in den Jahrhunderten entstanden war. Wir folgten dieser Spalte und fanden weitere Anzeichen dafür, dass diese Wege einst durch Zwerge versiegelt worden waren. Ein sicheres Zeichen dafür, dass in diesen Tunneln etwas Altes und Böses lauerte, das erwacht zu sein schien: die Siegel der Zwerge waren gebrochen und Dunkle Brut kam aus den Rissen hervorgekrochen.

In einer Höhle bemerkte Ulla dann Feuerschein. Es waren vier Hurlocks, einer von ihnen ein Alpha und, noch besorgniserregender: ein Emissary! Dieser Kampf war gefährlich und nur dann zu gewinnen, wenn wir unsere Kräfte konzentrierten. Ich wartete ab, was geschehen würde und es kam, wie es kommen musste: Gorim stürmte mit einem wilden Schrei auf die Gegner zu, dicht gefolgt von Ser Baldor, der vor Furcht wie von Sinnen war und nun scheinbar den Rest seines Verstandes verloren hatte. Der ungestüme Ansturm schien jedoch Erfolg zu haben, einer der Hurlocks lag regungslos am Boden und wir hatten den Überraschungsmoment auf unserer Seite.
Der Kampf schien gut zu verlaufen, als ein markerschütternder Schrei die Höhle erbeben ließ und ein leibhaftiger Oger aus einem Nebengang gestürmt kam und sich auf Gorim stürzen wollte. Ich konzentrierte mich und bündelte die gesamte Kraft meines Willens in meinen nächsten Zauber. Es gelang; der Emissary, einer der Hurlocks und selbst der Oger wurden von der Kraft meines Geistes zu Boden gestoßen. Der Kampf wogte hin und her, der Oger war eine zerstörerische Urgewalt und mir blieb nichts übrig, als ihn mit meinem Willen am Boden zu halten. Ich rief Gorim zu, er solle sich mit Ulla um den Emissary kümmern, während Maynard und ich den Oger ablenken würden. Wir mussten unsere Kräfte bündeln, sonst war alles verloren, spürte ich doch, wie mich meine Kraft verließ und ich sah, dass auch Maynard nicht mehr viel zuzusetzen hatte, da er bereits seinen Stab benutzte, um den Oger anzugreifen, nachdem seine zerstörerische Magie bereits sichtbare Verletzungen bei dieser Bestie hinterlassen hatte. Unser Plan schien aufzugehen, der Emissary verteidigte sich verzweifelt und in mir keimte Hoffnung, als der Alpha Balder mit einem mächtigen Hieb zu Boden schickte. Der gute Ser, er sollte nicht sterben, solange ich noch stand und so nahm ich meine letzten Kräfte zusammen, um ihn mit meiner Magie zu heilen. Von jetzt konnte auch ich nicht mehr viel ausrichten, meine Kraft war verbraucht und mir blieb nur noch mein Kampfstab, um meinen Gefährten beizustehen. Gorim brüllte auf und ich sah seinen Gegner zu Boden gehen, der Zwerg war eingehüllt von einem roten Nebel, der von dem Schwert auszugehen schien – eine beeindruckende Waffe, jedoch schien sie mir nicht ganz ungefährlich. Selbst auf dem Gesicht des Alphas konnte ich Furcht erkennen, als sein Zauberer fiel und meine Magie Baldor wieder genesen ließ. Von nun an war es nur noch eine Frage der Zeit, bis selbst der Oger zu Boden ging. Als die Schreie verstummten, trat eine unheimliche Stille ein, es war fast nicht zu glauben, aber wir hatten es geschafft und es war mir gelungen, alle meine Gefährten am Leben zu halten. Dann geschah etwas, das ich nicht für möglich gehalten hatte: Gorim stürzte sich auf Baldor und streckte ihn mit einem Hieb des goldenen Schwertes nieder, danach erlosch das Leuchten der Rubine und der Zwerg schien zu erwachen, so als ob nicht er, sondern die Waffe den Hieb geführt hätte. Es gelang mir ein weiteres Mal, Ser Baldors Wunden zu heilen, aber die Furcht in mir blieb.

Wir hatten zwar mächtige Gegner niedergestreckt und selbst einen Oger bezwungen … aber mir war klar, dass sie nicht verantwortlich sein konnten für die Geschehnisse in Woldeshain und dass es einen Grund geben musste, dass diese Waffe hier unten gewartet hatte. Das Rätsel des Turris Magistrorum wartete immer noch auf eine Lösung!

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Ruhe vor dem Sturm

Es tat gut, wieder zuhause zu sein! Bei der Familie und auszuruhen, die Seele baumeln zu lassen und die Schrecken zu vergessen, denen ich mich in den letzten Jahren stellen musste.
Ich war in Woodbridge geblieben und half den Leuten von Locke dabei, dort heimisch zu werden. Es tat gut, ein paar Tage simple Arbeiten zu verrichten und ich fühlte mich an meine unbeschwerte Kindheit erinnert.
Leider hielt diese Unbeschwertheit nur kurz … nach wenigen Tagen erreichte mich ein Bote von Andrastian, es waren neue Flüchtlinge nach Raven’s Peak gekommen und es wurden wieder Geschichten erzählt, von einer Krankheit im Süden, nahe der Hinterlands, südwestlich von Ostagar.
Aus den Schilderungen der Füchtlinge wurde ich nicht klug, immerhin konnte ich ihnen ein paar Silberstücke geben und sie nach Woodbridge schicken, damit sie ebenfalls dort siedeln würden. Ausgerechnet Gorim brachte mich auf die richtge Idee. Wahrscheinlich war ihm garnicht bewusst, welch klugen Satz er sagte, als er nebenbei aussprach, dass die Kranken sich fast so verhielten, wie die Dunkle Brut, als wir vor drei Jahren das Leichentuch gefunden hatten. Sollte wieder Blutmagie im Spiel sein, am Ende sogar Tizian selbst?

Ich beschloss also, nach Süden zu reisen und konnte mich, wie immer, auf meine treuen Freunde verlassen, wobei ich mir beim Zwerg nach wie vor nicht ganz sicher bin, welche Motivation ihn antreibt – ich befürchte fast, ihm ist ein Leben ohne Kampf derart fremd, dass er es nur im Suff ertragen kann. Wir trafen uns mit Maynard an der alten Jagdhütte und machten uns auf den Weg. In Lothering trafen wir auf eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, das am hiesigen Chanter’s Board nach einer Möglichkeit suchte, sich ein paar Münzen zu verdienen. Sie hieß Ulla und wollte nach Süden reisen, um in einem Ort namens Woldeshain nach einer vermissten Priesterin namens Kelsie Friseal zu suchen.
Ich bat ihr natürlich an, sich unserer Reisegruppe anzuschließen, man sollte eine junge Frau nicht alleine reisen lassen in diesen Zeiten.

Dieser kleine Ort stellte sich anders dar, als ich es erwartet hatte, er glich eher einem Fort als einem Dorf – von einer hohen Palisade geschützt und mit verschlossenen Toren. Wir mussten all unsere Überzeugungskraft aufwenden, um eingelassen zu werden und wurden von einem zornigen Mob empfangen, der allem Fremden mit großem Hass begegnete. Allein das beherzte eingreifen von Baldor, einem hiesigen Edelmann, konnte eine Eskalation verhindern und selbst er meinte, uns nur schützen zu können, indem er uns des nachts in eine Zelle sperrte.

Nun gut, wir suchten hier keinen Streit, ganz im Gegenteil, also fügten wir uns.
In den frühen Morgenstunden, zur Zeit meiner Wacht, hörte ich einen furchterregenden Schrei, der bis in unsere Zellen im Keller drang. Egal was ich versprochen hatte, es waren Menschen in Not und vielleicht konnte meine Magie helfen! Ich öffnete die Zellen und begab mich auf die Straße, es war nicht schwer, den Aufruhr zu finden. Ein Mord war geschehen und man war wieder schnell mit den Anschuldigungen bei der Hand, dass wir Fremde damit etwas zu tun hätten. Der Zustand der Leiche ließ mich Magie vermuten, wenngleich sie mir vollkommen fremd war.

Erst ein Gespräch mit Bürgermeister Serrin brachte Licht ins Dunkel. Er hatte mit seinem alten Freund Baldor etwas Böses und Altes im Wald aufgeschreckt, irgendwo in alten Ruinen, noch aus der Zeit von Tevinter. Der simple Cuthbert nutzte nun die Angst der schlichten Bevölkerung, um ein Regime des Terrors zu errichten, so wie es die Chantry immer wieder machte. Die Priesterin, der Grund für unsere Reise hierher, war tot – als erstes Opfer! Cuthbert hatte sicher etwas damit zu tun, hatte er doch ihre Habseligkeiten geplündert und sorgsam in seiner verwahrlosten Kammer versteckt. Nur das Tagebuch von Kelsie, in dem sie vom Turris Magistrorum schreibt, ließ er unbeachtet liegen. Vermutlich kann dieser Grobian nicht einmal simpelste Sätze lesen.

All diese Vermutungen würden uns aber nicht weiterbringen, wir mussten diesen Fluch beenden und dies würde nur dort möglich sein, wo alles begonnen hatte: in den Ruinen im Wald!

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Erkenntnisse eines Apostaten - 3. Buch, Kap. I

Nach den Ereignissen um das Leichentuch der Andraste hatte ich mich in eine alte Jagdhütte von Arl Boran Lowell nahe Raven’s Peak zurückgezogen, um meine Gedanken zu sammeln und über die bisherigen Geschehnisse zu meditieren.

Allerdings kam ich damit nicht sehr weit. Schon nach einigen Tagen tauchten meine Gefährten auf um mich mit in den Süden zu schleppen. Dort soll eine tödliche Krankheit grassieren. Wieder eine Krankheit. Warum reisen wir immer Krankheiten entgegen? Als gäbe es nicht genug Gefahren in Ferelden.

Wie dem auch sei, wir machten uns auf den Weg über Lothering nach Süden, an die Grenze zu den Kocari Wilds. Nach einer Woche erreichten wir Lothering, eine ruhige Kleinstadt an einer Kreuzung des Imperial Highways. Wir frischten unsere Vorräte auf, atmeten kurz den Luft der Zivilisation, um dann weiterzureisen.

Doch es kam anders. Vor dem Chanter’’s Board traf Meister Aidan auf eine junge Frau die sich Ulla nannte. Anscheinend hatte sie die Abenteuerlust gepackt und hatte es sich zum Ziel gemacht einer Notiz auf dem Chanter’s Board nachzugehen, wonach sich die Priesterin eines Ortes namens Woldeshain seit einiger Zeit nicht mehr gemeldet hatte. Und zuvorkommend wie Meister Aidan nun mal ist, bot er ihr an sie bis dorthin zu begleiten.

Also machten wir uns direkt weiter auf den Weg nach Süden, mit einer Abkürzung über Woldeshain. Und die gesamte Reise über war ich über die Kurzsichtig meiner Gefährten. Wie hatte sich Meister Aidan den Umgang mit unserer neuen Begleiterin vorgestellt? Wir waren an der Grenze der Kocari Wilds unterwegs, in einem Gebiet in dem es nur so von Räubern und Wilden wimmelte! Sollte ich mich im nächsten Busch verstecken wenn uns die Chasind angreifen und hoffen das ich nicht entdeckt werde? Ich werde von der Chantry und den Templern gejagt! Die Menschen denken, ich bin ein Maleficar und stehe mit Dämonen im Bunde! Wenn ich vor unserer neuen Begleiterin zaubern sollte, stellt sie mich doch in der nächsten Chantry bloß!

Wie auch immer. Nach einigen Tagen erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang Woldeshain. Die Ortschaft war von einer relativ neuen Palisade umschlossen. Wir hämmerten solange ans Tor bis wir, nach einiger Überzeugung, eingelassen wurden. In der Ortschaft wurde es dann richtig merkwürdig. Auf dem Marktplatz platzten wir in einen Mistgabeln schwingenden Mob, der von einem Bruder der Chantry namens Cuthbert gegen Fremde aufgewiegelt wurde. Kurz bevor uns die Bauern gezwungen hätten zu den Waffen zu greifen, erschien Sir Baldor, die rechte Hand der Bürgermeisters, und brachte uns ins Rathaus, damit uns dort der Bürgermeister, Lucar Serrin, erzählen konnte was in dem Dorf vor sich ging.

Noch in der gleichen Nacht hörten wir einen gellenden Schrei. Nachforschungen ergaben, das ein Bewohner des Dorfes plötzlich verschwunden war. In seinem Haus fand sich nur ein riesiger Blutfleck. Sir Baldor und Bürgermeister Serrin erklärten uns, das solche Ereignisse seit einigen Monaten regelmäßig passieren. Etwas Böses sei aus dem Wald in das DOrf gekommen.

Den nächsten Tag schauten wir uns im Dorf um, insbesondere in der Chantry, und erfuhren, dass Sir Baldor kurz vor dem Beginn dieser Ereignisse mit einigen Männern im Wald gewesen ist, um dem Bösen ein Ende zu setzen. Er war der einzige Überlebende.

Wir trafen einen Entschluss. Die Quelle der Geschehnisse befand sich im Wald um Woldeshain, anscheinend in alten Ruinen die vom Imperium von Tevinter errichtet wurden. Dort würden wir hinreisen und dem ein Ende setzen.

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Erkenntnisse eines Apostaten - 2. Buch, Kap. IV

Es gab nur noch eine Möglichkeit wo sich Paedan verstecken könnte: In Andrastes Heiligtum. Von Woodbrige aus machten wir uns auf den Weg den den Hügel hinauf. Es war, wie mir kurz darauf bewusst wurde, der gleiche Weg den wir bereits vor drei Jahren eingeschlagen hatten.

Als wir endlich das Heiligtum erreichten, sahen wir die enormen Unterschiede die in den letzten Jahren erwirkt wurden. Der Tempel war wiederaufgebaut, das Gelände um diesen war neu hergerichtet worden. Die große Tempeltür stand leicht offen. Dazu war also der Schlüssel benutzt worden, dessen Spuren Gorim in Woodbridge gefunden hatte.

Wir betraten den Tempel, und fanden, wie einst, erneut die Grabplatte, unter der sich der Eingang in des Heiligtum befand. Ich fand einen Hebel unter dem Alter, welcher die Grabplatte öffnete, und wir betraten den Gang zum Fundort des Leichentuches.

Wir erreichten die runde Kammer, und auf dem Podest in der Mitte des Raumes lag, wie weggeworfen, das Leichentuch. Paedan war nirgends zu sehen. Hinter dem Podest stand eine große Feuerschale, die mit einem merkwürdigen Feuer brannte. Meine Nackenhaare richteten sich auf. Ich warf einen Blick auf Meister Aidan. Er spürte es auch. Irgendetwas war… Falsch. Die Farben der Flammen war zu leuchtend, die Luft in der Kammer schmeckte nach Blei und Schwefel. Und irgendetwas bewegte sich immer knapp außerhalb meines Blickfeldes.

Dann kam plötzlich die Erkenntnis! Die Farben, die seltsame Luft, die wispernden Schatten. Genau so fühlte sich das Harrowing an! Hinter mir hörte ich Gorim das Leichentuch entdecken. Ich fuhr herum, um ihn zu warnen. Meister Aidan blickte auch auf und stieß eine Warnung aus. Doch zu spät:

Als Gorim das Tuch aufhob, stieß eine mächtige Flamme aus der Feuerschale. Die Asche aus der Schale begann in einem leichten Wirbel aufzusteigen und verdichtete sich. Sekunden später stand eine menschenähnliche Gestalt vor uns. Oberkörper, Arme und Kopf bestanden auf dichter, sich ständig verformender Asche. Flammen waberten unter der Asche, aus den Augen und dem dämonisch verzerrten Maul der Kreatur. Der untere Teil des Körpers bestand nur aus Asche und Flammen… ein Aschegeist!

Andrastian hieb auf den Geist ein, ohne Ergebnis. Seine Klinge verwirbelte lediglich die Asche. Chevalier Hubert griff sich mit seinem Knappen das Leichentuch, doch sowohl der Aschegeist, als auch Andrastian,. versperrten ihm den Weg. Sowohl die beiden, als auch Gorim, begannen fruchtlos auf den Geist einzuschlagen. Flammen schlugen aus seinen Klauen und versengten uns. Ein glühender Wirbelwind fegte durch die Kammer. Der Geist veschwand kurz, und tauchte hinter seinen Opfern auf.

Dafür brauchten sie also Magier. Sperrt sie in einen Käfig, bis wir sie brauchen um irgendwelche Kreaturen zu vernichten.

Der Aschegeist war kaum eine Herausforderung für mich. Während ich ihm seine letzte Energie entzog, stob die Asche aus der sein Körper bestand mit einem schrillen Kreischen auseinander. Ich wandte mich dem Chevalier zu. Sollte er der nächste sein? Er hatte versucht mich zu erpressen. Wollte mich benutzen, wie es die Chantry mit den Zirkelmagiern tut. Hubert stand vor mir, Schild und Schwert erhoben. Hinter ihm sein Knappe, ein Kurzschwert umklammert und in der anderen Hand das Leichentuch. In den Augen des Knappen sah ich Furcht. Natürlich. Solange Magier und Kontrolle sind, kann man auf sie niederschauen. Wenn sie jedoch die Ketten der Chantry abschütteln, vergeht den Menschen das lachen.

Sollten sie doch mit dem Leichentuch machen was sie wollen. Mir ist es gleich ob es nach Orlais geht oder hier bleibt. Ich entspannte mich leicht, und verließ die Kammer. Hinter mir hörte ich meine Gefährten mit dem Chevalier diskutieren.

Einige Tage später fand die Zeremonie im Heiligtum statt. Meine Gefährten hatten es irgendwie geschafft alle davon zu überzeugen, dass Andrastian ausgewählt worden war, über das Schicksal des Tuches zu entscheiden. Ich wartete die Zeremonie nicht ab. Egal wie gut es bis jetzt gelaufen war, dort war ein Haufen Templer, und viele davon erinnerten sich bestimmt noch an mich. Ich blieb vor dem Heiligtum, um meine Gefährten nach dem Ende der Zeremonie zu finden. Durch einen unglücklichen Zufall schien mich wirklich einer der Templer zu erkennen, sodass ich lieber doch einen geschickten Rückzug antrat.

Andrastian entschied übrigens, dass Tuch solle nach Orlais gehen. Dort würden es wohl mehr Menschen sehen und anbeten können.

Ach ja. Paedan. Zwischen der Asche in der Feuerschale fanden wir nach kurzer Suche menschliche Überreste. Und den Behälter einer heiligen Reliquie, welcher allerdings leer war. Es gibt Legenden aus den frühen Zeitaltern, dass sich Gläubige von Andraste selbst verbrannt haben, um als Aschegeister über heilige Stätten zu wachen. Genau dieses Schicksal hatte Paedan erlitten.

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Die Einweihung des Heiligtums.

Nachdem Gorim Aztagale in Woodbridge Anzeichen dafür gefunden hatten, dass der Stalljunge weiter zu Andrastes Heiligtum gezogen waren, machten wir uns ebenfalls auf den Weg dorthin. Es hatte sich jedoch einiges verändert, seit wir vor drei Jahren Andrastes Leichentuch hier gefunden hatten: der Weg war gepflastert und das Heiligtum restauriert. Alles war still und die doppelflügelige Tür stand einladend offen, obwohl eigentlich noch niemand hier sein sollte. Dies passte zu Gorims Vermutung, dass der Junge einen versteckten Schlüssel aus Woodbridge geholt hatte, der die Tür des Heiligtums öffnen würde.
Auch im Inneren hatte sich etwas verändert. Es gab immer noch den Altar in der Mitte, hinter dem eine Statue Andrastes stand und zu deren Füßen die Grabplatte lag, durch die wir in die untere Kammer gelangt waren. Die Platte war allerdings nicht mehr geborsten und durch die farbigen Glasfenster herrschte ein sehr schönes Licht in der alten Kapelle.
Es war keine Menschenseele zu sehen und wir gingen vorsichtig zum Altar, unter deren Sockel Gorim einen Hebel entdeckte, der die Platte am Boden öffnete und den Gang nach unten freilegte. Hier hatte sich fast nichts verändert, es wirkte nur etwas sauberer und aufgeräumter als vor drei Jahren, der Gang endete aber immer noch in der Kammer des Leichentuches. Der Sockel für die Bannerstange war noch da, aber die Stange selbst nicht mehr zu sehen.
Etwas hatte sich jedoch verändert: auf dem Sockel lag Andrastes Leichentuch und hinter dem Sockel stand eine Metallschale, in der ein helles Feuer brannte und meinem wachen Geist fiel sofort auf, dass das Holz in der Schale nicht vom Feuer verzehrt wurde. Ich versuchte, zu sehen, ob dieses Feuer einen Zugang ins Fate darstellte und bemerkte eine Präsenz, die sich vor uns verbarg. Es gelang mir noch, meinen Freunden eine Warnung zuzurufen, bevor einen Aschegeist aus dem Feuer aufstieg und sich auf uns stürzte. Die Hiebe von Andrastian gingen durch den Geist hindurch und schienen ihn nicht zu beeindrucken und ich suchte fieberhaft nach einer Lösung, um dieses Wesen zu verletzen. Es musste einer dieser Schutzgeister Andrastes sein, die entstanden, wenn sich wahre Gläubige selbst im Feuer opferten. Sie waren immun gegen gewöhnlichen Stahl und konnten nur durch Magie vernichtet werden. All unsere Hoffnungen lagen also auf Maynard Bael und seiner zerstörerischen Magie. Gorim nahm das Leichentuch an sich, ließ es jedoch fallen, um seinem Freund zur Seite zu stehen. Der Chevalier und sein Knappe nutzten die Gunst der Stunde und brachten das Tuch in ihren Besitz, um sich feige davonzumachen – doch auch die Waffe des Chevaliers konnte dem Geist nichts anhaben, so dass er ebenfalls zurückweichen musste.
Maynard zerstörte diesen Rachegeist und ich musste all meine Kunst aufbringen, damit niemand dessen zornigen Angriffen zum Opfer fallen würde. Nachdem sich der Rauch verzogen hatte, stand Maynard dem Chevalier gegenüber und ich konnte den Hass in seinen Augen sehen, der mit seiner Vernunft kämpfte. Ich wusste, er war kurz davor, den Ritter aus Orlais zu vernichten und mir fiel ein Stein vom Herzen, als seine Gesichtszüge sich entspannten. Ich bin nicht sicher, wie ich hätte handeln sollen, wenn er den Weg des Blutes gewählt hätte.
Gorim fand in der Asche dann auch den Beweis für meine Vermutung. Es waren die Überreste des Jungen aus Raven’s Peak und in einem Bündel mit seinen Habseligkeiten fand er noch ein kleines Kästchen, das ich wiedererkannte. Ich hatte es bereits in Raven’s Peak Chantry gesehen, unter den Reliquien, die Andaria Terryn dort angesammelt hatte. Das Kästchen war jedoch leer und die Reliquie fort. Ich kann nur vermuten, dass sie dafür gesorgt hatte, dass ein einfacher Stallbursche zu einem Aschegeist geworden war.
Ich konnte den Chevalier davon überzeugen, dass es sinnvoll wäre, wenn Andrastian das Tuch übergeben würde, um Fragen zu vermeiden, wie er an die Reliquie gelangt war und so die Zeremonie zur Einweihung des Heiligtums wie geplant stattfinden konnte. Er ließ sich das Wort meines Freundes geben und wir ritten zurück, um dem Arl Bescheid zu geben.
In Raven’s Peak konnte ich Boran Lowell davon überzeugen, unserem Plan zu folgen, solange wir seine Tochter aus den Verwicklungen heraushalten würden und er hatte bereits mit Locke gesprochen – sie waren überein gekommen, ihre Leute in Woodbridge siedeln zu lassen.
Die gesamte Festprozession machte sich also auf den Weg zum Heiligtum und nach den Feierlichkeiten übergab Andrastian das Tuch an Ermine Valiere, sehr zum Ärger von Andaria Terryn. Er handelte jedoch nach seinem Gewissen und so, dass das Tuch so vielen Menschen wie möglich zugänglich sein würde. Ermine Valiere konnte sich sogar mit meinem Vorschlag anfreunden, das Tuch an mehreren Orten für Pilger zugänglich zu machen, damit es allen Gläubigen nahe sein könnte, da sie von unserem Handeln so beeindruckt war. Maynard war fort, er hatte sich bereits zuvor unter das Volk gemischt, um weiteren Ärger zu vermeiden. War diesem Jungen denn nicht aufgefallen, dass unter den Gästen auch Templer aus dem Tower waren, die ihn von früher kannten? Ich hoffe nur, seine Verkleidung war gut genug, um sie zu täuschen, sonst wäre ihm nicht zu helfen.

Es war wirklich nicht einfach, aber wir hatten es doch mit einer Silberzunge und aufrechtem Handeln geschafft, Gewalt zu vermeiden und alle dazu zu bringen, eine friedliche Lösung zu suchen und umzusetzen.

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Erkenntnisse eines Apostaten - 2. Buch, Kap. III

Königin Locke war die Anführerin einer Horde Flüchtlinge aus dem Süden, die sich im Wald in der Nähe von Raven’s Peak versteckt hatten und Flüchtlinge und Pilger ausraubten.

Wir wurden von Trant zu ihr gebracht, um über die Freiheit von Schwester Bellyn Lowell zu verhandeln. Wenn man das Verhandeln nennen kann. Eigentlich hatten die Flüchtlinge nur die Wahl Schwester Bellyn freizulassen, oder sich mit den Soldaten des Arl auseinanderzusetzen. Wir trafen uns mit Locke, die erstaunt darüber zu sein schien, wer die gefangene Priesterin wirklich war. Dann begann Meister Aidan ihr irgendwelche Geschichten von freiem Lebensraum im Osten, ich meine, in Woodbridge zu erzählen.

Die Flüchtlinge könnten dort ja ein neues Leben aufbauen, und in Frieden, Harmonie und Wohlstand leben. Oder so. Ich bin mir nicht sicher ob Meister Aidan so gewieft war und die Hoffnungen der Flüchtlinge benutzt hat um Schwester Bellyn freizubekommen, oder ob er vielmehr so naiv war um seine Geschichte selbst zu glauben.

Vorstellen könnte ich mir beides. So sehr ich ihn auch respektiere, er hat trotzdem den Großteil seines Lebens im Circle Tower verbracht. Die Abgeschiedenheit und Isolation im Tower führt wohl schon dazu, dass die Magier dort etwas… weltfremd werden.

Wie dem auch sei, Meister Aidans Worte zeigten Wirkung. Königin Locke übergab uns Schwester Bellyn, und wir machten uns unter Trants Führung auf dem Weg zurück nach Raven’s Peak.

Trant. Trant ist, genau wie die anderen Anhänger von Königin Locke, ein Flüchtling aus dem Süden. Aber Trant ist ziemlich gut mit Pfeil und Bogen, und ich habe selten jemanden gesehen der sich so leise und geschickt im Wald bewegt. Ich glaube auf Trant wartet eine große Zukunft..

Schluss mit den Ablenkungen. Wir befanden uns auf dem Rückweg nach Raven’s Peak, Trant und seine Männer hatten uns die Augen verbunden um den Weg in das Lager nicht zu erfahren, als plötzlich das Sirren von Bogensehnen den Wald erfüllte, und die ersten Räuber getroffen zu Boden sanken. Dann stürmten Männer auf uns zu und begannen auf Trants Männer einzuschlagen. Ich riß mir die Augenbinde vom Kopf, genauso wie meine Gefährten, und wir stürzten uns in den Kampf.

Etwas abseits stand ein großgewachsener Mann. Er hieß Acklay, und war ein anscheinend jemand, der in Locke’s Lager was zu sagen hatte. Er war nicht damit einverstanden Schwester Bellyn ohne Lösegeld freizugeben. Während seine Männer auf uns losgingen, begann Acklay Zauber auf Meister Aidan und Chevalier Hubert zu werfen. Er war ein Apostat! Beide wankten unter Acklays Angriffen, Gorim und Andrastian waren umringt von Feinden. Neben mir sah ich noch, wie zwei Gestalten Schwester Bellyn packten.

Was sollte ich nur tun? Acklay und seine Männer bedrängten uns. Trant und unsere Begleiter waren schon in den ersten Sekunden zu Boden gegangen. Mit meiner Magie wäre es ein leichtes gewesen die Angreifer abzuschlagen, aber dann würde ich mich sowohl dem Chevalier als auch Schwester Bellyn offenbaren. Aber mir blieb keine Wahl. Ich stellte mich neben Meister Aidan, in der Hoffnung, seine Zauberei würde mich verbergen, und begann es Acklay und seinen Männern mit gleicher Münze heimzuzahlen. Nur einige Augenblicke später brach der Angriff von Acklays Männern zusammen. Ich hörte Gorim in rasendem Zorn brüllen, und sah, das viele der Angreifer aus Angst in den Wald flohen.

Kurze Zeit später war es vorbei. Einige von Trants Begleitern waren tot, und außer Acklay hatten nur die geflohenen Angreifer überlebt.

Wir kamen am frühen Abend bei unseren Pferden an, und rasteten bis zum frühen Morgengrauen. Ich lag in der Nähe des Lagerfeuers, und schaute zu Acklay rüber. Ein Apostat. Ich hatte kurz mit ihm geredet, hatte versucht Näheres über ihn herauszubekommen. Er war… kein angenehmer Zeitgenosse. Sein einziges Interesse galt ihm selbst. Nun gut, dass kann ich durchaus nachvollziehen. Wenn an jeder Ecke Templer und Spione drohen, bleibt einem nicht viele Möglichkeiten um anderen zu helfen.

Ich war zwiegespalten. Er war ein Räuber, wie so viele andere. Wenn wir einen anderen Gefangenen gemacht hätten, hätte dieser eine Hand verloren. Oder sein restliches Leben in den Minen verbracht. Für Acklay jedoch gab es nur den Tod. Und das nur, weil er anders geboren war. Ich kochte vor Wut über die Chantry. Wegen diesen ängstlichen Kleingeistern und ihren Kettenhunden würde erneut ein Mann sterben. Natürlich, er war ein Räuber. Bestimmt hatte er auch Menschen getötet. Aber deshalb würde er nicht brennen.

Acklay würde nur brennen weil er zaubern konnte, und weil er sich nicht, wie so viele andere, der Knechtschaft der Chantry unterworfen hatte. Ich wollte ihm helfen. Nicht, weil er ein guter Mensch war. Nicht, weil er es verdient hatte zu leben. Einfach nur deshalb, um der Chantry und den Templern ein weiteres Opfer zu verwehren.

Aber auch für mich galten Acklays Worte. Wenn man von der Chantry gejagt wird, muss man sich zuerst um sich selbst kümmern. Und Acklay hatte dieses Los selbst auf sich gebracht.


Am nächsten Morgen erreichten wir Raven’s Peak. Kurz außerhalb der Stadt hatten wir Arl Boran’s Sohn getroffen, den wir gerade noch davon abbringen konnten in den Wald zu reiten und Königin Locke’s Flüchtlinge zu vertreiben. Andrastian brachte Acklay in die Chantry, Meister Aidan traf sich mit Arl Boran um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Ich bekam eine Nachricht von Chevalier Hubert. Sein Knappe teilte mir mit, der Chevalier würde gerne wichtige Themen mit mir besprechen. Wahrscheinlich wieder nur Lobeshymnen auf Orlais. Und Hundewitze über Ferelden. Zum tausendsten Mal verfluchte ich meine List, mich als orlesianischer Adliger zu verkleiden.

Es sollte aber anders kommen. Chevalier Hubert erwartete mich in einem kleinen Salon, und schenkte mir Wein ein. Er wirkte ziemlich angespannt. Und der Wein… der Wein roch seltsam. Gift, erkannte ich. Aber nichts tödliches. Meine Befürchtungen bewahrheiteten sich. Der Chevalier hatte mich zaubern sehen. Er bot mir einen Handel an: Er bekommt das Leichentuch sobald wir es finden, und im Gegenzug erzählt er niemanden das ich ein Apostat bin, und dass meine Gefährten mich decken.

Natürlich ging ich auf den Handel ein. Und natürlich würde der Chavalier sehen was es heißt mir zu drohen. Ich dachte kurz nach. Ich war in den letzten Jahren schon oft verschwunden, wenn meine Tarnung aufzufliegen drohte. Aber diesmal musste ich auch an Meister Aidan und Andrastian denken.

Aber im Grunde genommen hatte mir der Chevalier alle Karten gegeben. Er hatte nichts gegen mich oder meine Gefährten in der Hand. Was sollte er denn vortragen? Der Orlesianer, der zufällig kurz vor ihm in Raven’s Peak aufgetaucht war, sein ein Apostat und ein Freund von Meister Aidan und Andrastian? Die Geschichte war so an den Haaren herbeigezogen, dass ihm niemand glauben könnte. Und sollte er dennoch daran festhalten wollen, würde er sterben.

Einen Tag später erreichten wir in Begleitung des Chevaliers und seines Knappen Woodbridge. Wir waren sicher dass der Stallbursche mit dem Leichentuch hierher gekommen war um sich zu verstecken. Wir durchsuchten das Dorf, und fanden seine Spuren. Es gab nur noch eine Möglichkeit für den Stallburschen:

Er hatte sich dort versteckte, wo alles seinen Anfang genommen hatte:

Im Heiligtum von Andraste.

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Erkenntnisse eines Apostaten - 2. Buch, Kap. II

Das Leichentuch.

Am Tag des MIttsommerfestes durchsuchten wir halb Raven’s Peak nach dem Tuch. Ohne Erfolg. Alles was wir hatten waren Indizien und Vermutungen.

Die Wächter der Chantry wurden mit einem Tee aus der Küche der Chantry vergiftet. Und von dort führten Spuren in den Stall unserer Taverne. Und zufälligerweise war der Stallbursche der Taverne verschwunden. Das ließ nur eine Antwort übrig: Der Junge hatte das Leichentuch gestohlen, oder zumindest dabei geholfen.

Noch an diesem Nachmittag besorgten wir uns Treibhunde des Arls, und seinen besten Fährtenleser, und folgten der Spur des Jungen in den Wald. Sonderlich weit kamen wir nicht, da wir an einer Jagdhütte mit Räubern von Königin Locke zusammenstießen. Einen der Räuber konnten wir lebendig fassen, und dieser klärte uns über die Ereignisse des letzten Tages auf:

Der Junge war an der Jagdhütte aufgetaucht, wurde aber von den Räubern verjagt. Kurze Zeit später tauchte eine junge Schwester der Chantry auf, anscheinend um sich mit dem Jungen zu treffen. Die Schwester brachten die Räuber zu Königin Locke um sich ein Lösegeld zu sichern. Kurz darauf fanden wir heraus, dass es sich bei der Schwester der Chantry um Berryn Lowell handelte, der jüngsten Tochter des ARl.

Wir kehrten mit den Neuigkeiten zurück nach Raven’s Peak, um dem Arl von der Entführung seiner Tochter zu berichten. Besser gesagt, Andrastian wollte ihm davon berichten. Stattdessen erzählte er dem schon sehr angeheiterten Arl, wir wüssten wo sich das Leichentuch befinde. Jedefalls verstand der Arl das.

Aus irgendwelchen Gründen waren ANdrastian und Meister Aiden der Meinung, in seinem Zustand sollten wir den Arl nicht mit den Nachrichten über seine Tochter belästigen.

Das taten wir dann erst am nächsten Tag. Und natürlich war der Arl erzürnt. Wir konnten ih gerade noch davon überzeugen nicht direkt seine Soldaten in den Wald zu schicken, sondern zunächst uns, mit dem gefangenen Räuber, um über die Freilassung seiner Tochter zu verhandeln.

Wir ritten in den Wald, begleitet von Trent dem Räuber und einem der orlesianischen Chevaliers. Dort trafen wir auf weitere Banditen, die uns in das LAger von Königin Locke führten.

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Gods gone missing!

Da standen wir also nun in der Chantry von Raven‘s Peak und suchten nach dem Leichentuch. Der Arl tobte und ich kannte ihn nur zu gut, um auch nur einen Augenblick anzunehmen, dass er nicht die Prozession aus Orlais verdächtigen würde, sich das Tuch genommen zu haben, nachdem es Mother Superior Ermine Valiere verweigert worden war, obwohl sie doch auf Geheiß der Göttlichen diese Reise angetreten hatte und überzeugt davon war, dass die Reliquie mit ihr nach Orlais zurückkehren sollte.
Alles deutete auch noch darauf hin, dass der Täter die Wachen kannte und sie ihm vertrauten. Der Tee, der ihnen jeden Abend von Novize Kieran gebracht wurde, war offensichtlich vergiftet, so dass sie und der Junge in einen traumlosen Schlaf fielen, niemand in der Küche hatte etwas Ungewöhnliches bemerkt.
Es wäre zum Lachen gewesen, wenn die Situation nicht zugleich so bedrohlich für uns gewesen wäre: da suchte ich, ein Magier des Zirkels, nach der Reliquie einer Kirche, die mich als Bedrohung ansah und versklavte, mein Leben bedrohte; das Tuch eines Gottes an den ich nicht glaubte. Diente er diesen scheinheiligen Gläubigen doch nur dazu, ihre Magie mit etwas Göttlichem zu erklären, da sie zu ängstlich waren, die Wahrheit anzuerkennen – das einzig Übersinnliche wird immer aus dem Fate kommen oder dem Nichts und nur ein starker und disziplinierter Geist wird diese Mächte kontrollieren können.
Ich schweife ab, verdammt. Mir blieb nur, ein weiteres Mal die Kapelle zu untersuchen und zu hoffen, dass meine Augen mehr sehen würden, als die meiner Freunde. So war es auch, ich fand den matschigen Abdruck eines Stiefels. Der Arl erlaubte uns, einen seiner Hunde-führer und seine Bluthunde für diese spezielle Jagd einzusetzen und dies führte uns zum Wirtshaus. Alles deutete nun darauf hin, dass der Stallbursche Paiden das Tuch entwendet hatte, allerdings sah es auch so aus, als ob er dies nicht alleine getan – wie hätte er auch, dieser einfältige Tölpel?
Wir folgten seiner Spur weiter in den Wald, direkt zu einer alten und verfallenen Jagdhütte des Arl, wo wir erneut in einen Hinterhalt von Lockes Schergen gerieten, den wir jedoch schnell niederschlagen konnten. Ich mache mir wirklich Sorgen, wenn ich Maynard sehe, seine Magie ist noch zerstörerischer geworden und ich frage mich, welchen Schmerz er in sich tragen und welche Ketten er um sein Herz gelegt haben muss, um mit solcher Gewalt Leben auszulöschen. Ich fürchte um seine Kontrolle und mehr noch um seine Seele. Der Junge muss aufpassen, er scheint alles zu vergessen, was ich ihn so sorgfältig lehrte.
Einen der Schurken konnten wir aushorchen und so erfuhren wir eine schockierende Wahrheit. Nicht nur hatte Paiden sich mit dem Tuch hierher geflüchtet, nein, er wollte sich mit der Tochter des Arl hier treffen, Schwester Bellyn Lowell, um ihr das Tuch zu übergeben und sie war in die Hände der Wegelagerer geraten und nun eine Gefangene der Königin Locke.
Es würde eine echte Herausforderung sein, dies dem Arl zu sagen, ohne seinen Zorn zu wecken.
Wir kehrten nach Raven’s Peak zurück und sperrten den Gefangenen in den Kerker, den Arl informierten wir nicht, waren doch gerade die Feierlichkeiten zur Mittsommernacht in vollem Gange und Boran mehr betrunken als nüchtern, so betrunken, dass er die kurze Nachricht Andrastians missverstand und nun alle erwarten, dass wir morgen bereits dieses Tuch zurückbringen würden … die Situation wird immer zerfahrener und ich bin froh, wenn der nächste Tag anbricht.
Am Morgen treffe ich nur die Frau des Arl und seinen Sohn an, beide nehmen meine Nach-richten unterschiedlich auf: sie ist sehr gefasst, der Sohn jedoch ganz der Vater. Er will einen „Krieg“ lostreten und alle Banditen aufknüpfen. Unser Gefangener schafft es, den Arl von einem Tausch zu überzeugen. Er will sich bei Locke verbürgen und dafür sprechen, die Tochter freizulassen, während wir für den Arl sprechen sollen.
Wir brechen also auf, werden aber von Hubert begleitet, einem Chevalier aus Orlais, der sich wohl in Maynard verguckt hat, die Leute aus Orlais, unfassbar!
Im Lager von Königin Locke, bietet sich meinen Augen ein unerwartetes Bild. Es sind viele Kinder, Frauen und Alte dort und Locke scheint nur zu versuchen, ihre Leute am Leben zu halten. Ich mag sie, nachdem ich sie kennengelernt habe und erzähle von meiner Heimat Woodbridge. Ich berichte vom hohen Blutzoll der Krankheit, von freiem Land und dass gute Menschen, Landwirte, Handwerker und Kinder dort immer willkommen sind und der Arl ein guter Mann ist und die Menschen von Woodbridge sie willkommen heißen würden.
Locke berät sich mit ihren Vertrauten und sie entschließen sich, unseren Worten zu trauen und sich auf den Handel einzulassen. Wir können mit Bellyn das Lager verlassen, allerdings werden uns wieder die Augen verbunden, so ganz scheint man uns also nicht zu trauen und einer der Männer von Locke ist offensichtlich nicht für diese Lösung gewesen.
Auf dem Weg zurück werden wir von eben diesem Mann und ein paar anderen Aufwieglern überfallen und es stellt sich heraus, dass er nicht nur ein Verräter, sondern auch ein Apostate ist. Wir können den Hinterhalt zwar zurückschlagen, verlieren aber zwei der Begleiter, die Locke uns als Führer mitgegeben hatte und müssen einen weiteren hohen Preis zahlen. Ich bin mir sicher, dass Hubert Maynard hat zaubern sehen, obwohl ich alles versuchte, dies zu vertuschen. Nun wird sich zeigen, was er wirklich von meinem Schüler wollte.

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Erkenntnisse eines Apostaten - 2. Buch, Kap. I

Drei Jahre sind vergangen seitdem ich das letzte Mal in Raven’s Peak war. Ereignisreiche Jahre.

In Highever kamen mir Gerüchte zu Ohren, dass der Arl von Raven’s Peak zum Mittsommertag ein Fest zu Ehren des Fundes von Andrastes Leichentuch zu geben gedachte. Der selbe Händler, der mir dies mitgeteilt hatte, erzählte auch, dass der heldenhafte Templer, der damals das Leichentuch des Chantry übergab, auch eingeladen werden sollte. Ohne Zweifel war das Andrastian.

Ich entschied mich auch dahin zu reisen. Zwar konnte ich mich dort nicht Offenbaren, ich war aber schon sehr neugierig was aus dem Leichentuch geworden war.

Einige Tagesmärsche nördlich von Raven’s Peak traf ich schließlich mit Andrastian und Meister Aidan zusammen, um den restlichen Weg zusammen zu reisen. Ich muss zugeben dass ich etwas nervös bin. Religiöse Feier heißt viele Kirchenleute. Und das heißt ein riesiger Haufen Templer. Aber das wird schon gut gehen.

Kurz vor Raven’s Peak gerieten wird in einen fruchtlosen Hinterhalt von einigen Räubern. Nur einige entkamen. Es stellte sich aber heraus, dass die Räuber für jemanden namens Königin Locke arbeiteten. Ohne Zweifel eine Gesetzlose, die sich diesen Titel gegeben hat um Reisende zu beeindrucken.

In Raven’s Peak angekommen trafen wir auch Gorim, der aber schon am späten Nachmittag dem Bier verfallen war. Wir meldeten uns kurz beim Arl, wo ich mich als adliger Pilger aus Orlais ausgab. Im Nachhinein bin ich mir unsicher wie gut diese Idee war. Genau als wir unsere Aufwartung machten, traf unangekündigt eine große Gruppe Kirchenleute, Templer und Chevaliers aus Val Royeaux ein, welche an den Festlichkeiten teilnehmen wollten.

Und, wie wir später erfuhren, auf Befehl der Göttlichen das Leichentuch mitnehmen sollten. Dazu sollte es aber nicht kommen. Noch in dieser Nacht brach jemand in die Chantry ein, vergifteten die Wachen und die Priester, und stahl das Leichentuch…

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