Raven's Peak

Wie man einen Oger schubst!

Nachdem ich mir das Tagebuch der Priesterin Kelsie genauer angesehen hatte, war klar, dass es ein alter Turm der Magister aus Tevinter war, die damals die Grenze zu Ferelden sichern sollten. Was allerdings dort im Verborgenen lauerte und den Terror in Woldeshain begründete, konnte ich weiterhin nur vermuten. Wir bereiteten uns also vor und machten uns mit Ser Baldor als Führer auf den Weg zu der Ruine im Wald.
Direkt bei unserer Ankunft war klar, dass etwas nicht stimmte. Es gab direkt am Eingang eine Falle, die beim letzten Besuch der Männer aus Woldeshain noch nicht dort gewesen war. Es war also äußerste Vorsicht geboten, wir waren sicher nicht alleine.
Wir gelangten über eine Wendeltreppe in die Gewölbe unter dem Turm. Vom Turm selbst war nur noch die äußere Mauer des Erdgeschosses übrig, der Rest war dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Im Keller gab es ebenfalls deutliche Spuren des Verfalls und die meisten Gänge endeten in leerstehenden Räumen, deren ursprüngliche Funktion nur noch zu erahnen war. Bemerkenswert war lediglich eine Loch im Boden eines dieser Räume, an dessen Boden ein goldenes Leuchten meine Neugierde erregte. Ich ließ mich von Gorim mit einem Seil sichern und stieg behende hinab. Das goldene Leuchten stellte sich als prächtiges Schwert heraus, mit goldenen Einlegearbeiten, Rubinen und, dem wohl Bemerkenswertesten: Symbolen und Schriftzeichen aus Lyrium. Zeichen der Macht, mit denen Zauber in diese Waffe gewoben worden waren. Ich nahm das Schwert an mich und rief meine Gefährten zu mir, um es Gorim zu übergeben – wer weiß, wofür es gut sein würde.

Es gab noch einen weiteren Raum hier unten, der sehr bemerkenswert war: einen Beschwörungsraum, mit so einer Ansammlung an Lyrium, dass ich nahezu geblendet war von seinem unwirklichen Leuchten. Ein Ort der Macht, an dem es ohne weitere Hilfsmittel möglich sein würde, die Grenze ins Fate zu überschreiten. Faszinierend und furchterregend zugleich. Ich war kurz versucht, einen Blick zu wagen. Meine Erinnerungen an mein Harrowing ließen mich jedoch schaudern, auch nach all den Jahren war die Furcht noch fast körperlich spürbar und das tote Gesicht meiner letzten Schülerin, das Gesicht von Maynards Schwester, brachte mich zur Besinnung. Selbst Gorim war still an diesem Ort, er bemerkte lediglich, dass dies die Arbeit seines Volkes sein müsste, da niemand sonst in der Lage wäre, Lyrium so zu verarbeiten.

Wir fanden einen Gang, der aus dieser augenscheinlichen Sackgasse herausführte und an einer Spalte endete, die durch Erosion und das Wasser eines unterirdischen Flußlaufes in den Jahrhunderten entstanden war. Wir folgten dieser Spalte und fanden weitere Anzeichen dafür, dass diese Wege einst durch Zwerge versiegelt worden waren. Ein sicheres Zeichen dafür, dass in diesen Tunneln etwas Altes und Böses lauerte, das erwacht zu sein schien: die Siegel der Zwerge waren gebrochen und Dunkle Brut kam aus den Rissen hervorgekrochen.

In einer Höhle bemerkte Ulla dann Feuerschein. Es waren vier Hurlocks, einer von ihnen ein Alpha und, noch besorgniserregender: ein Emissary! Dieser Kampf war gefährlich und nur dann zu gewinnen, wenn wir unsere Kräfte konzentrierten. Ich wartete ab, was geschehen würde und es kam, wie es kommen musste: Gorim stürmte mit einem wilden Schrei auf die Gegner zu, dicht gefolgt von Ser Baldor, der vor Furcht wie von Sinnen war und nun scheinbar den Rest seines Verstandes verloren hatte. Der ungestüme Ansturm schien jedoch Erfolg zu haben, einer der Hurlocks lag regungslos am Boden und wir hatten den Überraschungsmoment auf unserer Seite.
Der Kampf schien gut zu verlaufen, als ein markerschütternder Schrei die Höhle erbeben ließ und ein leibhaftiger Oger aus einem Nebengang gestürmt kam und sich auf Gorim stürzen wollte. Ich konzentrierte mich und bündelte die gesamte Kraft meines Willens in meinen nächsten Zauber. Es gelang; der Emissary, einer der Hurlocks und selbst der Oger wurden von der Kraft meines Geistes zu Boden gestoßen. Der Kampf wogte hin und her, der Oger war eine zerstörerische Urgewalt und mir blieb nichts übrig, als ihn mit meinem Willen am Boden zu halten. Ich rief Gorim zu, er solle sich mit Ulla um den Emissary kümmern, während Maynard und ich den Oger ablenken würden. Wir mussten unsere Kräfte bündeln, sonst war alles verloren, spürte ich doch, wie mich meine Kraft verließ und ich sah, dass auch Maynard nicht mehr viel zuzusetzen hatte, da er bereits seinen Stab benutzte, um den Oger anzugreifen, nachdem seine zerstörerische Magie bereits sichtbare Verletzungen bei dieser Bestie hinterlassen hatte. Unser Plan schien aufzugehen, der Emissary verteidigte sich verzweifelt und in mir keimte Hoffnung, als der Alpha Balder mit einem mächtigen Hieb zu Boden schickte. Der gute Ser, er sollte nicht sterben, solange ich noch stand und so nahm ich meine letzten Kräfte zusammen, um ihn mit meiner Magie zu heilen. Von jetzt konnte auch ich nicht mehr viel ausrichten, meine Kraft war verbraucht und mir blieb nur noch mein Kampfstab, um meinen Gefährten beizustehen. Gorim brüllte auf und ich sah seinen Gegner zu Boden gehen, der Zwerg war eingehüllt von einem roten Nebel, der von dem Schwert auszugehen schien – eine beeindruckende Waffe, jedoch schien sie mir nicht ganz ungefährlich. Selbst auf dem Gesicht des Alphas konnte ich Furcht erkennen, als sein Zauberer fiel und meine Magie Baldor wieder genesen ließ. Von nun an war es nur noch eine Frage der Zeit, bis selbst der Oger zu Boden ging. Als die Schreie verstummten, trat eine unheimliche Stille ein, es war fast nicht zu glauben, aber wir hatten es geschafft und es war mir gelungen, alle meine Gefährten am Leben zu halten. Dann geschah etwas, das ich nicht für möglich gehalten hatte: Gorim stürzte sich auf Baldor und streckte ihn mit einem Hieb des goldenen Schwertes nieder, danach erlosch das Leuchten der Rubine und der Zwerg schien zu erwachen, so als ob nicht er, sondern die Waffe den Hieb geführt hätte. Es gelang mir ein weiteres Mal, Ser Baldors Wunden zu heilen, aber die Furcht in mir blieb.

Wir hatten zwar mächtige Gegner niedergestreckt und selbst einen Oger bezwungen … aber mir war klar, dass sie nicht verantwortlich sein konnten für die Geschehnisse in Woldeshain und dass es einen Grund geben musste, dass diese Waffe hier unten gewartet hatte. Das Rätsel des Turris Magistrorum wartete immer noch auf eine Lösung!

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Aidan

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